Kunst oder Was man im Kopf hat

Die zahlreichen Welten, die ein jeder Mensch in seinem Kopf beherbergt, sind bekanntlich auf unterschiedlichste Weise strukturiert. Manch eine Leserin und manch ein Leser mögen bereits in vergangenen Tagen auf meiner Künstlerseite gestöbert haben, wo ich Gedanken in visueller Form Ausdruck verleihe. Dieses Portfolio hat nun eine neue Adresse erhalten und ist unter mallybeaumauswohn.wordpress.com zu finden. Wer gerne in künstlerischen Arbeiten flaniert, ist herzlich eingeladen, sich in dieser meiner Kopfwelt umzusehen 🙂

©mauswohn

Die Tränen der Bernadette Heinzmann

Bernadette Heinzmann war eine Bäckersfrau aus Rostock. Im 17. Jahrhundert lernte sie während eines Italienaufenthaltes den Stoffhändler Curto Curtoni kennen und ehelichte ihn. Das glückliche Paar lebte fortan in Mailand, wo Herr Curtoni seine Geschäfte tätigte. Regelmäßig reiste er um die Welt, um seine Textilien anzupreisen und neue Stoffe mit in die Heimat zu bringen. Da eine Hochzeitsreise bisher nicht stattgefunden hatte, beschlossen Bernadette und Curto eines Tages, diese mit einer Geschäftsreise zu verbinden und am Nordpol die Flitterwochen zu verbringen. Sie segelten mit einem großen Schiff in die eisige Kälte, wo sie warm eingepackt in einem kleinen Iglu hausten und die Zweisamkeit genossen. Eines Abends geschah jedoch das Unglück. Curto Curtoni wollte seiner Bernadette einen Fisch angeln. Er stand auf einer Eisscholle und spürte, dass etwas am Haken zappelte. Voll Freude rief er nach seiner Angebeteten. Diese lugte aus dem Iglu hervor und sah gerade noch, wie ein großer Schwertwal die Angel samt Stoffhändler verschlang und in den Tiefen entschwand. Entsetzt rannen große Tränen über die Wangen der jungen Witwe, die schockiert im Eise saß und sich nicht mehr rührte. Niemand hat sie je wieder zu Gesicht bekommen. Bis ein Forscherteam vor einigen Tagen einen Sensationsfund machte. Die versteinerten Tränen der Bernadette Heinzmann wurden unter einer dicken Eisschicht geborgen. Umhüllt von einem schlichten Seidenrock aus Mailand. Das tragische Relikt aus vergangenen Tagen soll nun im Käptn-Iglo-Museum in der Kühlwarenabteilung ausgestellt werden, damit die Tränen nicht vergossen und von allen bewundert werden können 🙂

Was halten Sie von dieser archäologischen Sensation? Werden Sie sich den Fund vor Ort ansehen?

Die vereisten Tränen der Bernadette Heinzmann

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Bild: Yves Klein

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Ulmer Münster Poster – hier erhältlich

Verzählt

Graciella Übermut lebt in Afrika. Die Regensburgerin wanderte vor vielen Jahren aus, um dort den Beruf einer waschechten Rangerin auszuüben. Inmitten wilder Weite steht ihr einsames Haus, wo sie sich um alles kümmert. Sie striegelt die Giraffen, putzt Elefanten und malt den täglich vorüber trottenden Zebras die Streifen auf. Regelmäßig schlägt sie Wilderern ein Schnippchen, indem sie ihnen gefälschtes Elfenbein aus Hartplastik unterjubelt oder auf ihrem YouTube-Kanal von den neuesten Steppentrends berichtet. Wenn sie in der Ferne die Schwingen der Zugvögel in den Lüften erklingen hört, eilt sie zur Haustüre, blickt gelassen empor und zählt deren Population. Dieses Leben genießt Frau Übermut in vollen Zügen und würde den Beruf wohl noch weiter ausführen, hätte ihr die Steppenverwaltung nicht überraschend gekündigt. Es wurde festgestellt, dass sich die Rangerin bei ihren Vogelbeobachtungen verzählt und einen Vogel zu viel angegeben hatte. Dieser Fauxpas konnte nicht geduldet werden. Ordnung muss schließlich sein. Jetzt befindet sich Graciella bereits auf der Rückreise nach Deutschland. Und der Posten in Afrika ist wieder frei. Wenn Sie Interesse haben, melden Sie sich bitte bei der örtlichen Savannenbehörde bei Herrn Tunichtgut. Selbständigkeit, Tierliebe und Kreativität werden im Jobprofil vorausgesetzt. Zählen sollten Sie ebenfalls können. Sonst heißt es erneut, dass in Afrika jemand einen Vogel zu viel hat 🙂

Reizt Sie der Beruf der Rangerin? 🙂

Graciella Übermut steht an der Haustüre und zählt die Zugvögel

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Bild: Edward Hopper

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Joseph Pulitzer Notizbuch – hier erhältlich

Mutter erlebt ein blaues Wunder oder Wie eine Künstlerkarriere begann

Yves war ein aufgeweckter Junge. Er lebte mit seinen Eltern in Nizza und genoss eine verspielte Kindheit in südländischem Flair. Den Vater bekam Yves kaum zu Gesicht, da er bei der Marine arbeitete und mit Seepferdchen um die Wette schwamm. Umso stärker war die Bindung zu seiner Mutter Marie. Er liebte sie über alle Maßen und bedachte sie regelmäßig mit selbstgebastelten Geschenken. So auch am Muttertag. Wenn Yves an seine Mutter dachte, sah er sie Geschirr spülend in der Küche stehen. Dankbar, dass sie sich regelmäßig des dreckigen Porzellans annahm, beschloss er, ihren Putzschwamm in ein kleines Küchendenkmal zu verwandeln. Er schnappte sich das Reinigungsutensil, befestigte es an einem Draht, welcher auf einem Stück Stein verankert wurde, den sein Vater von einem Tauchgang aus den Tiefen des Ozeans mitgebracht hatte. Dann holte er sein Tintenfass hervor und tauchte den Schwamm in tiefblaue Farbe. Zufrieden über seine Kreation, stellte er die Schwammskulptur am Muttertag in die Küche aufs Fensterbrett. Seine liebe Frau Mama schlug erfreut die Hände über dem Kopf zusammen, als sie die Skulptur entdeckte. Denn sie hatte bereits früh erkannt, welch künstlerisches Talent in ihrem Sohn schlummerte. Dass nun ein neuer Putzschwamm gekauft werden musste, entgegnete sie mit einem Lächeln und sagte: „Schwamm drüber“. Während Yves Klein ein bekannter Maler, Bildhauer und Performancekünstler wurde 🙂

Hat auch Ihre Mutter ein blaues Wunder erlebt oder wurde sie anderweitig beschenkt? 🙂

Der blaue Putzschwamm von Yves Mutter – eine Ode an die fleißige Hausfrau und liebende Mama

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Bild: Yves Klein

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Galeriedruck australische Küste – hier erhältlich

Die Tübingerin, die dem Mond ihren Stempel aufdrückte

Im Jahre 1801 machte sich Bertha Holzmann aus Tübingen auf eine ungewöhnliche Mission. Die Schreinerin hatte von ihrem früh verstorbenen Gatten ein stattliches Vermögen geerbt und erfüllte sich einen lang gehegten Traum. In ihrer Schreinerwerkstatt zimmerte sie aus feinstem Eschenholz eine Rakete und flog damit zum Mond. Die Hobbyastronomin war eine Vordenkerin ihrer Zeit und hatte schon früh erkannt, dass der Trabant künftig im Mittelpunkt vielerlei Interessenten stehen würde. Sie hatte es sich zur Aufgabe gemacht, den Mond vor Rabauken zu schützen und drückte ihm im wahrsten Sinne des Wortes ihren Stempel auf. Nachdem sie auf Jupiter, Saturn, Mars und Venus die Unterschriften diverser extraterrestrischer Anwohner eingeholt hatte, wurden diese mit dem universellen Kosmosstempel versiegelt. Das wichtige Dokument deponierte man auf dem Mond unter einem Stein mit den Initialen B.H.. Hiermit bekannten sich die Unterzeichner, für den Mond zu sorgen und jeglichen Raubbau zu untersagen. Dank dieser wagemutigen Mission dürfen wir weiterhin einen unversehrten Mond am Himmel betrachten, der sonst schon längst von der gierigen Menschheit anderweitig genutzt und verschandelt würde. Bertha Holzmann ist eine unvergessene Pionierin, deren Raumfahrt-Utensilien nun im Heimatmuseum in Wurmlingen zu sehen sind.

Was meinen Sie, sollten wir den Trabanten in Holzmond umbenennen? 🙂

Bertha Holzmanns Raumfahrt-Utensilien, die sorgsam an der Innenseite ihrer Rakete angepinnt waren

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Bild: Edward Collier

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Kakteen-Kissen – hier erhältlich