Verzählt

Graciella Übermut lebt in Afrika. Die Regensburgerin wanderte vor vielen Jahren aus, um dort den Beruf einer waschechten Rangerin auszuüben. Inmitten wilder Weite steht ihr einsames Haus, wo sie sich um alles kümmert. Sie striegelt die Giraffen, putzt Elefanten und malt den täglich vorüber trottenden Zebras die Streifen auf. Regelmäßig schlägt sie Wilderern ein Schnippchen, indem sie ihnen gefälschtes Elfenbein aus Hartplastik unterjubelt oder auf ihrem YouTube-Kanal von den neuesten Steppentrends berichtet. Wenn sie in der Ferne die Schwingen der Zugvögel in den Lüften erklingen hört, eilt sie zur Haustüre, blickt gelassen empor und zählt deren Population. Dieses Leben genießt Frau Übermut in vollen Zügen und würde den Beruf wohl noch weiter ausführen, hätte ihr die Steppenverwaltung nicht überraschend gekündigt. Es wurde festgestellt, dass sich die Rangerin bei ihren Vogelbeobachtungen verzählt und einen Vogel zu viel angegeben hatte. Dieser Fauxpas konnte nicht geduldet werden. Ordnung muss schließlich sein. Jetzt befindet sich Graciella bereits auf der Rückreise nach Deutschland. Und der Posten in Afrika ist wieder frei. Wenn Sie Interesse haben, melden Sie sich bitte bei der örtlichen Savannenbehörde bei Herrn Tunichtgut. Selbständigkeit, Tierliebe und Kreativität werden im Jobprofil vorausgesetzt. Zählen sollten Sie ebenfalls können. Sonst heißt es erneut, dass in Afrika jemand einen Vogel zu viel hat 🙂

Reizt Sie der Beruf der Rangerin? 🙂

Graciella Übermut steht an der Haustüre und zählt die Zugvögel

©mauswohn

Bild: Edward Hopper

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Joseph Pulitzer Notizbuch – hier erhältlich

Mutter erlebt ein blaues Wunder oder Wie eine Künstlerkarriere begann

Yves war ein aufgeweckter Junge. Er lebte mit seinen Eltern in Nizza und genoss eine verspielte Kindheit in südländischem Flair. Den Vater bekam Yves kaum zu Gesicht, da er bei der Marine arbeitete und mit Seepferdchen um die Wette schwamm. Umso stärker war die Bindung zu seiner Mutter Marie. Er liebte sie über alle Maßen und bedachte sie regelmäßig mit selbstgebastelten Geschenken. So auch am Muttertag. Wenn Yves an seine Mutter dachte, sah er sie Geschirr spülend in der Küche stehen. Dankbar, dass sie sich regelmäßig des dreckigen Porzellans annahm, beschloss er, ihren Putzschwamm in ein kleines Küchendenkmal zu verwandeln. Er schnappte sich das Reinigungsutensil, befestigte es an einem Draht, welcher auf einem Stück Stein verankert wurde, den sein Vater von einem Tauchgang aus den Tiefen des Ozeans mitgebracht hatte. Dann holte er sein Tintenfass hervor und tauchte den Schwamm in tiefblaue Farbe. Zufrieden über seine Kreation, stellte er die Schwammskulptur am Muttertag in die Küche aufs Fensterbrett. Seine liebe Frau Mama schlug erfreut die Hände über dem Kopf zusammen, als sie die Skulptur entdeckte. Denn sie hatte bereits früh erkannt, welch künstlerisches Talent in ihrem Sohn schlummerte. Dass nun ein neuer Putzschwamm gekauft werden musste, entgegnete sie mit einem Lächeln und sagte: „Schwamm drüber“. Während Yves Klein ein bekannter Maler, Bildhauer und Performancekünstler wurde 🙂

Hat auch Ihre Mutter ein blaues Wunder erlebt oder wurde sie anderweitig beschenkt? 🙂

Der blaue Putzschwamm von Yves Mutter – eine Ode an die fleißige Hausfrau und liebende Mama

©mauswohn

Bild: Yves Klein

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Galeriedruck australische Küste – hier erhältlich

Die Tübingerin, die dem Mond ihren Stempel aufdrückte

Im Jahre 1801 machte sich Bertha Holzmann aus Tübingen auf eine ungewöhnliche Mission. Die Schreinerin hatte von ihrem früh verstorbenen Gatten ein stattliches Vermögen geerbt und erfüllte sich einen lang gehegten Traum. In ihrer Schreinerwerkstatt zimmerte sie aus feinstem Eschenholz eine Rakete und flog damit zum Mond. Die Hobbyastronomin war eine Vordenkerin ihrer Zeit und hatte schon früh erkannt, dass der Trabant künftig im Mittelpunkt vielerlei Interessenten stehen würde. Sie hatte es sich zur Aufgabe gemacht, den Mond vor Rabauken zu schützen und drückte ihm im wahrsten Sinne des Wortes ihren Stempel auf. Nachdem sie auf Jupiter, Saturn, Mars und Venus die Unterschriften diverser extraterrestrischer Anwohner eingeholt hatte, wurden diese mit dem universellen Kosmosstempel versiegelt. Das wichtige Dokument deponierte man auf dem Mond unter einem Stein mit den Initialen B.H.. Hiermit bekannten sich die Unterzeichner, für den Mond zu sorgen und jeglichen Raubbau zu untersagen. Dank dieser wagemutigen Mission dürfen wir weiterhin einen unversehrten Mond am Himmel betrachten, der sonst schon längst von der gierigen Menschheit anderweitig genutzt und verschandelt würde. Bertha Holzmann ist eine unvergessene Pionierin, deren Raumfahrt-Utensilien nun im Heimatmuseum in Wurmlingen zu sehen sind.

Was meinen Sie, sollten wir den Trabanten in Holzmond umbenennen? 🙂

Bertha Holzmanns Raumfahrt-Utensilien, die sorgsam an der Innenseite ihrer Rakete angepinnt waren

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Bild: Edward Collier

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Kakteen-Kissen – hier erhältlich

Kulinarisches Missverständnis

Familie Bockelwurst lebt in Bottrop. Am Wochenende machten Vater, Mutter und die Kinder Jan-Kevin und Chantal-Emilia einen Ausflug in den Stadtpark. Dort zelebrierten sie ihr erstes Grillfest in diesem Jahr und ließen sich Wurst, Brot, Pommes und Getränke gut schmecken. Ihren Müll nahm Familie Bockelwurst wieder mit nach Hause, wo er ordentlich entsorgt wurde. Nur eine Skulptur im Stadtpark hatte während der Party Schaden genommen, als Jan-Kevin eine Flasche Ketchup über ihr entleerte. Die rote Hinterlassenschaft sorgte in den frühen Morgenstunden des nächsten Tages für helle Aufregung. Frau Mürzel ging mit ihrem Pudel Heini durch den Park und hielt den großen roten Ketchupfleck für Blut. Kreischend alarmierte sie die Polizei, die das Gelände großräumig abriegelte und eine Fahndung nach einem Serienmörder ausrief. Erst als Pudel Heini begann, die Ketchupflecken aufzulecken, kam Oberkommissar Schranke ein Verdacht. Er bemerkte den Irrtum und deklarierte seine Fahndung als Übungseinheit der Polizei. So ist er mit einem blauen Auge davon gekommen, während Heini ob des reichhaltigen Ketchupkonsums mit Bauchschmerzen auf Frau Mürzels Sofa liegt und gepflegt werden muss. Derweil planen Jan-Kevin und Chantal-Emilia bereits ihren nächsten Coup, wenn es kommende Woche mit Senf und Mayonnaise ins Freibad geht 🙂

Jan-Kevins Ketchupfleck ziert eine Skulptur in Bottrops Stadtpark und sorgt für allerhand Verwirrung

Und welch kulinarisches Spektakel haben Sie als nächstes geplant? 🙂

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Bild: René Magritte

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Galeriedruck Colorado – hier erhältlich

(K)ein Ass im Ärmel

Melinda Huber wohnt in Frankfurt. Die Obstverkäuferin ist leidenschaftliche Skatspielerin. Jeden Samstag trifft sie sich mit den Zwillingsbrüdern Hubert und Bert Binder im Gasthof „Zum sündigen Pfarrer“ und spielt mit ihnen mehrere Runden Skat. Leider ist Melinda eine geborene Verliererin und wird von den Zwillingen nach Strich und Faden abgezockt. Regelmäßig verliert sie ihren Einsatz und muss am Ende um ihre Kleidung spielen, die ebenfalls den Weg zu den Herren findet. Um den ständigen Verlusten entgegen zu wirken, ersann Melinda eine List. Sie kam bereits völlig entblößt zur nächsten Skatrunde. So konnte sie nur mehr ihr Geld verspielen, die Klamotten bekamen die Herren Binder nicht zu fassen. Diese waren freilich nicht wenig verwundert, ihre so freizügige Mitspielerin am Tische sitzen zu sehen und verloren vor lauter Staunen tatsächlich ihr Spiel. So gewann Melinda zum ersten Mal eine Skatrunde, mit einem Ass in nicht vorhandenem Ärmel 🙂

Die Herren Binder und Melinda spielen Skat ums letzte Hemd

Haben auch Sie den passenden Trick auf Lager, wenn gespielt wird? 🙂

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Bild: Fernando Botero

Friedrich Hölderlin Poster – hier erhältlich

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Der Nashornhase

Balduin ist ein Nashorn. Seit über 900 Jahren lebt er irgendwo auf der Welt und kann sich allseitiger Bewunderung nicht entziehen. Denn Balduins lederne Haut schillert in den schönsten rosa Farbtönen. Das sorgt freilich für Aufsehen und Balduin steht permanent im Mittelpunkt der Betrachtung. Bis es ihm eines Tages im wahrsten Sinne des Wortes zu bunt wurde. Er beschloss, ein Hase zu werden und schlüpfte in ein simpel anmutendes, braunes Fell und ließ sich zwei lange Hasenohren wachsen. So konnte er sich den neugierigen Blicken entziehen. Zunächst. Bis Albrecht Dürer den Pinsel schwang und Balduin malte. Seither hängt er eingerahmt in Museen und steht erneut im Blickpunkt der Öffentlichkeit. Nur das rosa Nashorn wird vermisst. Doch Balduin schweigt und denkt sich: „Mein Name ist Hase. Ich weiß von nichts.“ 🙂

Nashornhase Balduin

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Bild: Albrecht Dürer

Edinburgh Schloss Galeriedruck – hier erhältlich

Zeit zu lesen

Der April wartet mit wechselhaftem Wetter auf. Abwechslung findet sich ebenso in zahlreichen Mauswohn-Büchern, die mit Humor und Fantasie einladen. Ob „Kommando Püppi – eine humorvolle Bilderlese“, „Sehnsuchting“- einem fantasievoll tierischen Abenteuerroman oder „Fühlen und fallen“ – dem Versuch einer Liebesgeschichte, finden Sie auf Amazon.de noch weitere Mauswohn-Lektüren, die Sie mit in andere Welten nehmen. Viel Vergnügen beim Abtauchen zwischen die Zeilen 🙂

Fantasievolle Aussichten

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Denis Diderot Notizbuch – hier erhältlich

Sensation: Klopapier selbst anbauen!

Die Sensation ist perfekt. Der Klopapierbaum ist da. Im praktischen Tongefäß wächst ein formschöner, ein Meter großer Baum, der regelmäßig Klorollen abwirft. Er muss ein Mal pro Woche mit Sonnenblumenöl gegossen werden. Bei richtiger Pflege wachsen täglich bis zu sieben Rollen feinstes Klopapier. Der Baum ist allerdings streng limitiert und nur am ersten April erhältlich. Also nichts wie los und hamstern 😀

Ein gut gepflegter Klorollenbaum

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Blue mood shirt – hier erhältlich

Teure Banane

Gisbert Gürtel lebt in Bruchsal. Nachdem er seine Anstellung als Postbote verlor, verdiente er seinen Lebensunterhalt als Magier. Einst als Hobby ausgeübt, machte er seine Zauberkunststücke zum Broterwerb. Doch seine Vorführungen kamen nur mäßig an und die Einnahmen ließen zu wünschen übrig. So konnte sich Herr Gürtel nur mehr eine Banane als tägliches Mahl leisten. Verbittert biss er in sein kärgliches Essen, als es plötzlich knirschte. Der Magier hatte auf etwas Hartes gebissen. Haben Bananen etwa Kerne? Bei genauer Betrachtung war schnell klar, dass Herrn Gürtels pekuniäre Probleme gelöst waren. Er hatte tatsächlich auf einen echten Diamanten gebissen. Sogleich ließ er sich das teure Stück in bare Münze auszahlen und kaufte sich ein Zirkuszelt. Dort jongliert er nun täglich mit Bananen und lockt hunderte von Besuchern an. Denn alle hoffen, eine der Bananen abzubekommen, die Herr Gürtel nach beendeter Vorstellung in die Menge wirft. Es könnte ja sein, dass dort weitere Schmuckstücke zu finden sind. Eine Geschäftsidee mit Biss 🙂

Haben auch Sie schon eine finanzielle Aufbesserung in Lebensmitteln entdeckt? 🙂

Gisbert Gürtel macht den Fund seines Lebens

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John Coltrane Handyhülle – hier erhältlich

Er sucht mörderisch gute Sie

Edwin lebt mit seiner Frau Brigitte in Mannheim. Das Paar war fünf Jahre glücklich verheiratet. Jetzt hat die Ehe einen erheblichen Riss erlitten. Jeden Tag, wenn die Zwei das Frühstück einnehmen, zu Mittag essen und das Abendbrot verzehren, dreht sich Brigitte beiseite und klimpert auf dem Klavier die Melodie „Alle meine Entchen“. Anfangs als Spielerei abgetan, hat Edwin nun keine Geduld mehr. Brigitte und ihre musikalischen Untermalungen gehen ihm auf die Nerven. Kurzzeitig spielte er mit dem Gedanken, seine Frau umzubringen. Dann griff er aber doch zur Tageszeitung und laß die Partnergesuche. Bis er eines Tages selbst eine Annonce aufgab und eine unmusikalische ruhige Dame suchte, die kriminelle Fantasien besitzt. Vielleicht kann er gemeinsam mit seiner neuen Partnerin der lästigen Brigitte ledig werden. Wie wird es wohl weitergehen? Was meinen Sie? 🙂

Edwin studiert die Zeitung während Brigitte die Klaviertasten bedient

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Bild: Edward Hopper

Kissen Berlin Skyline – hier erhältlich